Aktuelles 07.10.2022

Unbekannter Alltagsretter – Wildbienen in unserer Region

In Deutschland gibt es über 580 Wildbienenarten, in Baden-Württemberg ca. 400. Bei Untersuchungen wurden alleine in der Besigheimer Lehmgrube 126 verschiedene Arten gefunden. Die Wildbienen sind im Gegensatz zu ihren gezüchteten Schwestern – den Honigbienen – weitaus unbekannter. Dabei tragen Sie einen erheblichen Anteil der Bestäubungsleistung.

Anders als Honigbienen transportieren die Wildbienen die Pollen lose mit ihrem Pelz und bestäuben dadurch sehr effektiv. Hummeln, die ebenso wild leben, fliegen aufgrund ihres Pelzes schon bei etwas tieferen Temperaturen als Honigbienen. Aufgrund dieser Eigenschaften werden sie auch vom Menschen gezielt in Gewächshäusern zur Bestäubung - beispielsweise von Tomaten - eingesetzt. Honigbienen sind dagegen blütenstet. Dies bedeutet, dass sich Honigbienen bei einem Sammelflug auf eine Blütenart konzentrieren und hierbei eine größere Flugstrecke von bis zu zwei Kilometer zurücklegen können. Wild- und Honigbienen ergänzen sich daher bei der Bestäubung ganz gut. In Besigheim leben seit Beginn der Imkerei vor mehreren Hundert Jahren die Arten nebeneinander.

Aber warum ist die Bestäubung so wichtig? Ohne die Bestäubung der Bienen und anderer Insekten würden insbesondere die Nahrungserträge drastisch zurückgehen. Beispielsweise würden die Ernteerträge bei Äpfeln und Kirschen auf 40 Prozent sinken, bei Birnen sogar auf 10 Prozent. Im Jahre 2018 hat ein Supermarkt in Hannover alle Produkte ausgeräumt, welche es ohne die Bestäubungsleistung der Bienen nicht gäbe. Zurück blieb nur noch 40% des Warenangebots.

Leider verschlechtern sich die Lebensbedingungen für Fluginsekten schon lange. Neben dem Klimawandel gilt der Rückgang der Artenvielfalt unter Experten als größtes Risiko für die Menschheit. Nach einer Studie des Entomologischer Vereins Krefeld nahm die Masse der flugaktiven Insekten über den Untersuchungszeitraum von 1989 bis 2016 um mehr als 75 Prozent ab!

Trotz der sehr wichtigen Bestäubungsleistung der Insekten ist in Deutschland jeden Tag die Siedlungs- und Verkehrsfläche im vierjährigen Mittel der Jahre 2017 bis 2020 durchschnittlich um rund 54 Hektar pro Tag gewachsen. Dies entspricht einer Fläche von knapp 76 Fußballfeldern pro Tag und ist gleichbedeutend mit dem Verlust an Ackerflächen, aber auch an Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge sowie anderen Tieren. Von den ca. 400 in Baden-Württemberg vorkommenden Wildbienenarten bauen 300 ihr Nest in den Boden. Deshalb sind etwa Blühstreifen – am Acker oder im Garten – besonders wichtig. Diese dürfen nicht gepflügt werden, um die Bauten der Insekten nicht zu zerstören.

Für Besigheim hat das Landratsamt erst jüngst entschieden, die ehemalige Lehmgrube als Refugium zu schützen. Diese Entscheidung ist richtig. Denn ohne wildlebende Insekten keine Bestäubung. Und ohne Bestäubung bleibt der Supermarkt leer.

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