Aktuelles 28.03.2021

Hintergründe zur geplanten Brücke im nördlichen Enzpark

Unter dem Namen Enzpark werden einige mittlere und größere bauliche Maßnahmen zusammen-gefasst, welche die Stadt Besigheim entlang des linken und rechten Enz-Ufers auf einer Länge von etwa 400 m plant. Ziel des Projektes ist die Schaffung eines Naherholungs- gebiets. Die dafür vorgesehenen Flächen sind zum allergrößten Teil in Besitz der Stadt Besigheim und weisen bisher keine Bebauung auf. Allerdings sind Teile des Gebiets als Naturschutzgebiete ausgewiesen oder beherbergen zumindest einen schützenswerten Wildvogelbestand. Fast die gesamte Fläche befindet sich des Weiteren im Hochwasser-schutzgebiet, was zur Notwendigkeit von Sondergenehmigungen bei jeder Baumaßnahme führt.

Baustelle des südlichen Enzparks
© Marion Stieger

Hier geht es zu unserer Petition gegen den Bau der Brücke!

Das Projekt Enzpark wird schon seit einigen Jahren durch die Stadtverwaltung und den Gemeinderat diskutiert. Neben der Naherholung für die Bürger*innen, stehen auch Interessen der Tourismusförderung im Raum. So soll die neu geschaffene Fläche, die Aspekte „Weinbau“ und „Fachwerkstadt“ miteinander verbinden und zum Verweilen einladen. Die Planungen finden weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, was dazu führt, dass große Teile der Bevölkerung nur unzureichend informiert sind. Nennenswerte Akteure sind neben der Verwaltung, das beauftragte Planungsbüro Club L94 aus Köln und die bürgerschaftliche Interessengruppe AK Enzufer.

Das BMU vertritt die Meinung, das Gesamtprojekt wird nicht ausreichend breit in der Bevölkerung diskutiert. Zugleich wir nicht das gesamte Projekt kritisieren. So macht es durchaus Sinn, bestehende Grünflächen attraktiver zu machen, um den Bürger*innen der Stadt die Möglichkeit zu geben, dort gerne zu verweilen. Allerdings werden dafür unverhältnismäßig schwere bauliche Eingriffe vorgenommen. Hier wurden und werden sehr kostenintensive Teilprojekte realisiert, ohne dass diese zureichend von der Bürgerschaft wahrgenommen wurden. Die Unzufriedenheit war erst nach der Fertigstellung groß. Die Stadtverwaltung versucht durch Bürgerspaziergänge das Vertrauen der Bürger*innen zu gewinnen. Unserer Meinung nach wurde allerdings eine groß angelegte Bürgerbeteiligung im Voraus versäumt. Hier wäre die vorherrschende Meinung: „Der Gemeinderat ist Beteiligung genug“ gewesen. Eine Mehrheit des Gemeinderats trägt das Vorhaben mit. Bis dato sind folgende Kosten (gerundete Werte) festzuhalten: Bau des Enz-Parkhauses 2 Millionen Euro, Fuß- und Radwegbrücke Mühlensteg 3 Millionen Euro (Landesförderung bereits abgezogen), Parkgestaltung 3,64 Millionen Euro (Landesförderung bereits abgezogen). Letzteres enthält veranschlagte Kosten für ausstehende Maßnahmen im Bereich Nordpark.

Nördliche Querung

Ende September 2020 gab der Gemeinderat der Stadt Besigheim eine Machbarkeitsstudie für eine weitere Fuß- und Radbrücke in Auftrag. Diese könnte die Enz in Höhe des Farbenwerkes BASF auf der linken Enzseite und der Stadthalle Alte Kelter auf der rechten Enzseite queren. Im Folgenden die Argumente, die das Vorhaben stützen und widersprechen:

ProContra
Touristen können die Verbindung der Elemente Fachwerk, Wasser und Wein erleben.Das Bauwerk wird die Sicht auf die Innenstadt und eines der schönsten Fotomotive behindern.
Die Brücke verkürzt den Fußweg von der Innenstadt zum Bahnhof und macht den ÖPNV somit attraktiver.Der Fußweg vom zentralen Kelterplatz zum Bahnhof beträgt 650 Meter. Nach unseren Berechnungen verkürzt sich der Fußweg durch die Brücke auf rund 600 Meter. Außerdem verkehren mehrere Buslinien vom Kelterplatz zum Bahnhof, welche auf den Takt der Züge abgestimmt sind. Den Bus zum Bahnhof zu nehmen verteuert eine Zugfahrt im VVS-Tarif nicht.
Die Brücke ermöglicht einen Rundweg durch den Enzpark zurück zur Stadt.Die nächstmögliche Enzquerung ist keine 200 Meter entfernt.
Die Brücke wird von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden.Für den Radverkehr ist die Brücke ungeeignet. Der Weg würde für die Radfahrenden aufgrund der Auf- und Abfahrten zur Brücke einige enge Kurven bedeuten, weshalb dieser i.d.R. auf der Hauptstraße fährt.
Es sind Baukosten für die zweite Brücke in mindestens der Kostenhöhe des Mühlenstegs zu erwarten. Eher sogar höhere Kosten, da die Enz an dieser Stelle breiter ist. Durch die Corona-bedingten Steuerverluste, ist der Bau einer mindestens drei Millionen Euro teuren Brücke nicht zu verantworten.
In der Nähe des Brückenschlages nisten nachweislich (Gutachten Büro Güthler 2016, wird derzeit aktualisiert) Eisvögel und andere geschützte Arten, welche in ihrer Brut gestört werden würden. Eine nachhaltige Vertreibung der geschützten Arten ist nicht auszuschließen.

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