BMU setzt sich für nachhaltige Verkehrsplanung ein

Bild: Daniel Christen

Unser Ziel ist es, unsere Ideen dann einzubringen, wenn es auch Sinn macht. Daher ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Impulse zur Gestaltung des ÖPNV einzubringen, bevor alle Pläne fertig geschrieben sind.“

Daniel Christen

Beim BMU-Treff Anfang Dezember wurden einige Mitglieder beauftragt, mögliche Verbesserungsvorschläge im öffentlichen Personennahverkehr zu sammeln und auszuformulieren. Der Zirkel „Mobilität nachhaltig gestalten“ diskutierte dazu einige Ansätze bei einer Sitzung per Videokonferenz. Neben dem aktuellen Thema der Streichung von Zughalten auf der Frankenbahn, wurden einige Ideen für den Busverkehr im nördlichen Landkreis gesammelt. Entstanden sind nun zwei Briefe. Diese werden nun dem Verkehrsministerium bzw. dem zuständigen Landratsamt, welches sich gerade mit der Novellierung des Nahverkehrsplans beschäftigt, vorgelegt. „Unser Ziel ist es, unsere Ideen dann einzubringen, wenn es auch Sinn macht. Daher ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Impulse zur Gestaltung des ÖPNV einzubringen, bevor alle Pläne fertig geschrieben sind“, fasst Daniel Christen, Sprecher des Arbeitskreises für Klima und Naturschutz, zusammen.

  • Die Ideen auf einen Blick:
    • On-Demand Verkehr mit Rufmöglichkeit per App in Echtzeit
    • Verlängerung der Buslinie 560 nach Ingersheim
      (Anschluss Linie 567)
    • Busverkehr zwischen Besigheim Bhf. und Bietigheim (Kronenzentrum)
    • ggf. Ringverkehr zwischen Besigheim – Mundelsheim – Freiberg – Bietigheim und Besigheim
    • Busverkehr zwischen Besigheim und Großbottwar
      (Anschluss Linie 460)
    • ggf. Express-Linie zwischen Backnang (Anschluss S4) und Besigheim (RB18)
    • bessere Verzahnung mit dem Takt des Kreis Heilbronn, schnelle Verbindung nach Ilsfeld und Brackenheim

Große Hoffnung steckt das BMU in die Ankündigung des Landratsamtes, sogenannte On-Demand-Verkehre realisieren zu wollen. Diese Busse auf Abruf könnten eine wirklich sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Busliniennetz sein. Allerdings nur dann, wenn der Bus einfach per App angefordert werden kann und nicht schon Tage vorher bestellt werden muss, so das BMU. Außerdem bündelt das BMU in seinem Brief zahlreiche Überlegungen von Bürger*innen und Pendler*innen zur Ergänzung des Busverkehrs. So sei etwa über eine direkte Verbindung von Besigheim nach Ingersheim nachzudenken. Ebenso sei die Lücke im Netz zwischen Besigheim und Großbottwar zu schließen. Das BMU begrüßt die Überlegungen des Landkreises, eine Buslinie von Besigheim nach Bietigheim zu realisieren. Vor allem die Bietigheimer Innenstadt mit ihren zahleichen Einkaufsmöglichkeiten wäre so attraktiv zu erreichen. „So würde endlich auch für die Anwohner*innen der Kammgarnspinnerei eine zuverlässige Busverbindung entstehen“, so Marion Stieger. Außerdem wünscht sich das BMU eine stärkere Verzahnung mit dem Busverkehr des Landkreises Heilbronn. Oftmals bestehen noch keine attraktiven Verbindungen, da Abfahrtszeiten nicht aufeinander abgestimmt sind. Eine Busfahrt nach Ilsfeld, Abstatt oder Brackenheim darf schließlich nicht viermal so lange dauern, wie eine Autofahrt.

So würde endlich auch für die Anwohner*innen der Kammgarnspinnerei eine zuverlässige Busverbindung entstehen.“

Marion Stieger
  • Die Ideen auf einen Blick:
    • Halte des RE8 im Berufsverkehr wieder einsetzen
    • während der Pandmeiesituation zusätzliche Züge, längere Züge und ggf. Busse zur Verstärkung einsetzen
    • im Fahrplan mehr Pufferzeiten einplanen, um Zuverlässigkeit zu schaffen
    • Echtzeit-Angaben in der App müssen stimmen
    • Engstelle bei Möckmühl beseitigen
    • langfristig 15-Minuten Takt schaffen

Das Ministerium hat es bisher nicht geschafft, den Menschen vor Ort angemessene Antworten bereit zu stellen.

Benjamin Tempel

Ein zweiter Brief ist an das Landesverkehrsministerium gerichtet. Das BMU zeigt sich mit der Situation auf der Frankenbahn sehr unzufrieden. „Das Ministerium hat es bisher nicht geschafft, den Menschen vor Ort angemessene Antworten bereit zu stellen“, bemängelt Benjamin Tempel. Dabei ist es aufgrund der Corona-Pandemie unbedingt notwendig, im Berufsverkehr die maximale Kapazität im Bahnverkehr darzustellen. Schließlich befinden wir uns derzeit in einer Ausnahmesituation, in der ein enges Beisammenstehen im Zug nicht angemessen ist. Daher fordert das BMU pandemiebedingte Lösungen, etwa zusätzliche Verstärkerzüge in der Rushhour bzw. die Rücknahme der morgendlichen Zugstreichungen. Sollte dies nicht möglich sein, ist zu prüfen, ob verstärkend Busse eingesetzt werden können, um die Lage zu entzerren. Langfristig ist sich das BMU sicher, dass auf der Frankenbahn ein Verkehr im 15-Minuten Takt realisiert werden muss, was auch das erklärte Ziel des Ministeriums ist. Die zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 erfolgten Verbesserungen und das mittlerweile größtenteils neue Zugmaterial auf der Frankenbahn sollten ausgebaut und nicht ausgebremst werden. Nur dann kann das Ziel einer Verdopplung der Fahrgastzahlen erreicht werden. Ob die Verbindung dabei S-Bahn oder Regionalbahn heißt, spielt eine untergeordnete Rolle. Allerdings sind dafür noch einige Verbesserungen an der Infrastruktur notwendig. Thomas Pulli bemängelt etwa, dass bei Möckmühl immer noch eine eingleisige Engstelle besteht, welche mit ursächlich für den instabilen Fahrplan der Frankenbahn ist. Und das auf einer der wichtigsten Güterachsen durch Deutschland. Werner Bischof merkte an, dass ein 15-Minuten Takt möglich sein sollte, wenn an einigen Stellen Ausweichgleise zur Überholung langsamerer Züge verfügbar wären. Hierfür hat sich das Land bei der Bundesverkehrswegeplanung unbedingt einzusetzen.

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